„Jetzt haben wir so eine schöne Website und es passiert nichts." Diesen Satz höre ich immer wieder. Keine Anfragen, kaum Besucher, keine Verkäufe. Und der nächste Gedanke ist fast immer derselbe: Dann muss die Seite noch einmal umgebaut werden.
Die Seite ist selten das erste Problem. Eine Website ist ein Ort, an dem etwas passieren kann, wenn jemand da ist. Sie sorgt nicht dafür, dass jemand da ist.
Bevor du also die nächste Überschrift änderst, sieh dir vier Zahlen an. Danach weißt du, ob du an der Seite arbeiten musst oder an etwas ganz anderem.
Was eine Website leistet und was sie nicht leistet
Eine Website macht drei Dinge und sie macht sie gut. Sie beantwortet die Fragen, die jemand vor dem Kauf hat. Sie macht dich überprüfbar, weil man sieht, wer du bist und was du schon gemacht hast. Und sie nimmt eine Handlung entgegen, eine Anmeldung, eine Anfrage, einen Kauf.
Was sie nicht macht: dich bekannt machen. Eine neue Seite ist für Google zunächst ein Dokument ohne Geschichte. Niemand verlinkt darauf, niemand sucht nach ihr und es gibt keinen Grund, warum sie in den Ergebnissen weit oben stehen sollte.
Das ist der Denkfehler, der so viel Zeit kostet. Die Seite wird behandelt wie ein Laden in der Fußgängerzone, an dem zufällig Leute vorbeilaufen. Sie ist aber ein Laden in einem Gewerbegebiet, zu dem noch keine Straße führt.
Die vier Quellen, aus denen Besucher wirklich kommen
Es gibt genau vier und du musst mindestens eine davon ernsthaft bedienen.
- Suche. Menschen tippen ein Problem bei Google ein oder fragen ein KI-Werkzeug. Das ist die beste Quelle, weil die Absicht schon da ist, und die langsamste, weil sie Monate braucht und regelmäßige Inhalte verlangt.
- Bezahlte Verteilung. Anzeigen. Schnell, messbar und sofort teuer, wenn dein Angebot noch nicht klar ist. Anzeigen verstärken, was da ist. Sie ersetzen nichts.
- Empfehlung. Jemand schickt jemandem deinen Link. Die stärkste Quelle, weil Vertrauen mitgeliefert wird, und die einzige, die du nicht direkt steuern kannst.
- Reichweite, die du schon hast. Dein Profil, deine Liste, dein Netzwerk. Die Quelle, die am schnellsten läuft und die die meisten übersehen, weil sie unspektakulär ist.
Wenn du gerade gemerkt hast, dass bei dir keine dieser vier wirklich läuft, dann hast du kein Website-Problem. Dann hast du noch keinen Weg zu deiner Website.
Besucher ohne Absicht bringen genauso wenig
Der zweite Teil des Problems ist unangenehmer, weil er auch dann bleibt, wenn Besucher kommen.
Ein Mensch, der einen unterhaltsamen Beitrag gesehen hat und aus Neugier auf dein Profil klickt, ist nicht derselbe Mensch wie einer, der gerade sein Problem bei Google eingetippt hat. Der erste schaut sich um. Der zweite sucht eine Antwort und ist bereit, dafür etwas zu tun.
Deshalb bringt ein Beitrag mit hoher Reichweite oft weniger als ein Beitrag mit kleiner Reichweite und der richtigen Frage. Ich habe im Sommer 2024 mit einem alten Konto und einem anderen Ansatz erlebt, wie das aussieht: Die Reichweite ging in dreieinhalb Wochen von rund 14.000 auf über 492.000 Konten, ein einzelnes Reel kam auf 768.000 Abspielungen, alles organisch und ohne Budget. Das zeigt, dass ich Reichweite kann. Es zeigt nicht, dass daraus Geschäft wird. Genau das ist der Punkt dieses Abschnitts.
Welche vier Zahlen du zuerst ansiehst
Bevor du irgendetwas änderst, hol dir diese vier. Sie stehen in jedem Auswertungswerkzeug und du brauchst dafür keine halbe Stunde.
| Zahl | Was sie dir sagt | Was du tust, wenn sie schlecht ist |
|---|---|---|
| Wie viele kommen | Ob überhaupt jemand da ist. Unter etwa dreißig Besuchen im Monat kannst du nichts anderes beurteilen. | An der Verteilung arbeiten, nicht an der Seite. |
| Woher sie kommen | Welche der vier Quellen tatsächlich läuft und welche du dir nur vorstellst. | Die eine Quelle wählen, die zu dir passt, und die anderen drei erst mal lassen. |
| Wonach sie gesucht haben | Ob deine Seite die Frage beantwortet, mit der sie gekommen sind. | Die Seite auf die tatsächliche Frage umschreiben statt auf deine Wunschfrage. |
| Was sie danach tun | Ob es überhaupt etwas zu tun gibt. Viele Seiten haben keine klare nächste Handlung. | Eine Handlung festlegen. Eine, nicht drei. |
Die zweite Zahl ist die, an der die meisten hängenbleiben. Fast alle glauben, sie kämen über die Suche, und fast alle bekommen ihre wenigen Besucher aus einem einzelnen geteilten Link.
Wann du die Seite änderst und wann die Verteilung
Die Entscheidung ist einfacher, als sie sich anfühlt. Sie hängt an einer einzigen Frage: Kommen genug Leute an, um überhaupt etwas beurteilen zu können?
Unter dreißig Besuchen im Monat: Die Seite ist nicht dein Problem. Du hast zu wenig Daten, um irgendetwas zu beurteilen. Arbeite ausschließlich an der Verteilung.
Genug Besuche und niemand macht etwas: Jetzt ist die Seite dran. Meistens fehlt eine klare nächste Handlung oder die Seite beantwortet eine andere Frage als die, mit der die Leute kommen.
Besuche aus der falschen Richtung: Die Leute kommen, passen aber nicht. Dann stimmt nicht die Seite nicht, sondern der Kanal oder die Ansprache davor.
Und wenn du an dieser Stelle merkst, dass du noch gar nicht sagen kannst, für wen die Seite eigentlich ist, dann liegt der Engpass davor. Wie du das in der richtigen Reihenfolge klärst, steht in Dein erstes Angebot kommt vor deiner ersten Website. Und welcher Vorgang bei dir gerade am meisten an dir hängt, sagt dir der Engpass-Check.
Stand: September 2026. Die genannten Reichweitenzahlen stammen aus einem eigenen Instagram-Konto im Sommer 2024 unter einem früheren Ansatz. Sie belegen Reichweite und keine Umsätze und genau so sind sie hier verwendet.
Über die Autorin
Anne Marx richtet KI-gestützte Marketing- und Vertriebsabläufe ein. Über zwanzig Jahre Marketing und Vertrieb, zuletzt Vertriebsleitung und Leitung Digitales Marketing im regulierten Pharmamarkt.
Mehr über Anne MarxEin Schritt weiter
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