Ich habe ein Instagram-Konto mit gut fünftausend Followern. Von außen sieht das nach einer Grundlage aus. Tatsächlich schwankt die Zahl und zuletzt hat das Konto netto verloren. Das hat einen Grund, den ich selbst zu verantworten habe: Ich habe die Positionierung immer wieder geändert und angepasst, und mit jeder Änderung gehen Leute. Wer nicht mehr weiß, wofür du stehst, hört auf zuzuhören.
Das Problem war nie, dass die Zahl zu klein ist. Das Problem war, dass hinter der Zahl kein System stand. Ein Beitrag konnte Reichweite bekommen und am nächsten Tag war alles wieder weg. Wer mir folgte, wusste nicht, was er als Nächstes tun sollte, und ich hatte auch keinen Ort, an dem ich ihn wiedergefunden hätte.
Dieser Text zeigt deshalb nicht, wie du schneller auf zehntausend kommst. Er zeigt, welche vier Verbindungen zwischen Reichweite und Umsatz stehen und an welcher Stelle deine Kette gerade reißt.
Was fünftausend Follower tatsächlich wert sind
Ich mache es an eigenen Zahlen fest, weil das ehrlicher ist als eine allgemeine Behauptung.
Im Sommer 2024 habe ich mit einem alten Konto und einem anderen Ansatz Folgendes erlebt: In dreieinhalb Wochen ging die Followerzahl von 191 auf 362. Die Reichweite ging von 14.327 auf 492.056 Konten. Ein einzelnes Reel kam auf 768.000 Abspielungen. Es blieb nicht das einzige, mehrere gingen in die Millionen. Alles organisch, ohne einen Euro Budget.
Was diese Zahlen zeigen: Ich kann Reichweite. Formate, Aufhänger, Timing, das beherrsche ich. Was diese Zahlen nicht zeigen: dass daraus ein Geschäft wird. Aus einer halben Million erreichter Konten wurden 171 Follower und kein Weg zu einem Kauf, weil es diesen Weg damals nicht gab. Es war reine Reichweite ohne Hebel dahinter. Das habe ich schmerzlich lernen müssen: Reichweite bringt nichts ohne ein Angebot und ohne jemanden, der wirklich verkauft.
Deshalb ist die Followerzahl für dein Geschäft ungefähr so aussagekräftig wie die Zahl der Menschen, die an deinem Schaufenster vorbeigelaufen sind. Interessant, aber nicht buchbar.
Die vier Verbindungen zwischen Reichweite und Umsatz
Zwischen einem Menschen, der dich sieht, und einem Menschen, der bezahlt, liegen vier Dinge. Sie müssen alle vier da sein und sie müssen in dieser Reihenfolge da sein.
- Ein erkennbares Thema. Menschen müssen nach drei Beiträgen sagen können, wofür du stehst. Wenn dein Konto alles ein bisschen macht, erinnert sich niemand an dich in dem Moment, in dem er das Problem hat.
- Vertrauen. Das entsteht nicht durch Reichweite, sondern durch Wiederholung. Dieselbe Haltung, dieselbe Sprache, über Monate. Das zwanzigste Video ist leichter als das erste und es gibt keine Abkürzung dahin.
- Eine eigene Liste. E-Mail-Adressen, die dir gehören. Das ist der Punkt, an dem aus geliehener Aufmerksamkeit Eigentum wird. Alles davor kann dir morgen weggenommen werden.
- Ein Angebot mit einem Weg dahin. Etwas, das man kaufen kann, und eine Strecke, auf der man dort ankommt, ohne dich zu fragen.
Die dritte ist die, die am häufigsten fehlt, und sie ist die einzige, die dir wirklich gehört. Wie eine Liste sich von einem Newsletter-Projekt unterscheidet, steht im Glossar.
Warum eine Plattform kein Kundensystem ist
Auf einer Plattform hast du kein Verzeichnis. Du hast eine Zahl. Du kannst nicht nachsehen, wer sich vor drei Wochen für ein bestimmtes Thema interessiert hat, du kannst niemanden gezielt ansprechen und du kannst deine Leute nicht mitnehmen.
Dazu kommt der Teil, den man erst merkt, wenn er passiert. Ein Konto kann gesperrt werden, ein Algorithmus kann sich ändern, eine Reichweite kann über Nacht wegbrechen. Dann sind fünftausend Follower fünftausend Menschen, die du nicht mehr erreichst.
Eine Liste kann das alles nicht. Sie ist langweilig, sie wächst langsam und sie liegt bei dir. Genau deshalb ist sie der Punkt, an dem ich anfangen würde, wenn ich noch einmal starten müsste.
Die Rechnung von Reichweite bis Kauf
Damit du weißt, worüber wir reden, hier die Kette einmal durchgerechnet. Die Prozentwerte sind marktübliche Größenordnungen und keine Zusage.
Von hundert Menschen, die einen Beitrag sehen, klicken vielleicht zwei auf dein Profil.
Von hundert Profilbesuchen tragen sich vielleicht drei in deine Liste ein, wenn es dort überhaupt etwas einzutragen gibt.
Von hundert Menschen auf deiner Liste kaufen bei einem passenden Angebot vielleicht zwei.
Zusammengerechnet: Aus 10.000 erreichten Menschen werden rund 200 Profilbesuche, daraus rund 6 Eintragungen und daraus über die Zeit vielleicht ein Kauf.
Diese Rechnung ist keine Entmutigung. Sie ist der Grund, warum Reichweite allein nichts bringt und warum ein Konto mit fünfhundert Menschen auf einer Liste mehr Umsatz macht als eines mit fünftausend Followern ohne Liste.
Und sie erklärt, warum das Reel mit 768.000 Abspielungen kein Geschäft ergeben hat. An jeder der drei Übergabestellen war nichts eingerichtet.
Was du in den nächsten sieben Tagen einrichtest
Nicht alles auf einmal. Diese vier Dinge, in dieser Reihenfolge und du brauchst dafür keine Woche Vollzeit.
| Tag | Was du machst |
|---|---|
| Tag 1 | Schreib in einem Satz auf, wofür dein Konto steht. Wenn du drei Sätze brauchst, hast du noch kein Thema. Du hast drei. |
| Tag 2 und 3 | Bau eine einzige Sache, für die jemand seine Adresse hergibt. Keine dreißigseitige Datei. Etwas, das ein konkretes Problem in zehn Minuten löst. |
| Tag 4 | Richte die Anmeldung ein, mit Bestätigungsmail und einer ersten Mail, die tatsächlich etwas liefert. |
| Tag 5 bis 7 | Schreib drei Beiträge zu genau dem Thema, das die Sache aus Tag 2 löst, und verweise darauf. Nicht als Werbung. Als nächster Schritt. |
Danach hast du zum ersten Mal eine Kette, die nicht in der Luft endet. Sie wird klein anfangen. Sie gehört dir aber und das ist der ganze Unterschied.
Was danach kommt, also welche Verdienstwege es überhaupt gibt und was davon zu dir passt, steht im Überblick Online Geld verdienen. Und warum fertige Produkte ohne diese Kette liegen bleiben, steht in Passives Einkommen, was daran nie passiv ist.
Stand: September 2026. Die genannten Konto- und Reichweitenzahlen sind eigene Zahlen aus dem Sommer 2024 und dem aktuellen Stand eines Instagram-Kontos. Sie belegen Reichweite und keine Umsätze. Die Prozentwerte in der Rechnung sind marktübliche Größenordnungen zur Veranschaulichung.
Über die Autorin
Anne Marx richtet KI-gestützte Marketing- und Vertriebsabläufe ein. Über zwanzig Jahre Marketing und Vertrieb, zuletzt Vertriebsleitung und Leitung Digitales Marketing im regulierten Pharmamarkt.
Mehr über Anne MarxEin Schritt weiter
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Ab und zu eine Mail, in der ich zeige, was ich in meinem eigenen Betrieb baue, was Geld bringt und was ich wieder rausgeworfen habe. Kein Redaktionsplan, keine Serie.
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