Ich habe fast alles davon selbst gemacht. Wiederverkaufsrechte gekauft, Affiliate-Links gesetzt, digitale Produkte auf drei Plattformen verkauft, eine Membership geplant, Dienstleistung angeboten. Manches hat Geld gebracht, manches hat Geld gekostet und bei einem habe ich erst hinterher verstanden, wer daran wirklich verdient hat. Das hier ist die Sortierung, die ich damals gebraucht hätte.

Vorweg ein Satz, der in keinem der Videos vorkommt, die dir online Geld versprechen: Es gibt keinen Weg, bei dem du nicht entweder Zeit, Geld oder Reichweite reinsteckst, und die meisten Wege brauchen zwei davon. Wer dir etwas anderes erzählt, verkauft dir gerade den Weg.

Die fünf Wege im Überblick

Es gibt mehr Varianten, aber im Kern läuft alles auf fünf Modelle hinaus. Du verkaufst deine Zeit. Du verkaufst etwas, das du einmal gemacht hast, beliebig oft. Du empfiehlst die Produkte anderer. Du verkaufst die Produkte anderer unter deinem Namen. Oder du verkaufst Zugang zu dir, monatlich.

Dienstleistung: Deine Zeit gegen Geld

Der älteste Weg und der, mit dem fast alle anfangen, ob sie wollen oder nicht. Du bietest etwas an, das du kannst, jemand bezahlt dich dafür und der Umsatz ist so hoch wie dein Stundensatz mal die Stunden, die du verkaufst. Das ist die Stärke, weil es sofort Geld bringt, und die Schwäche, weil es aufhört, sobald du aufhörst.

Was es braucht: ein Angebot, das jemand versteht, und einen Weg, wie Menschen davon erfahren. Mehr nicht. Kein Logo, keine Webseite mit sieben Unterseiten, kein Funnel. Ich habe Gründer und Gründerinnen gesehen, die drei Monate an der Webseite gebaut haben, bevor sie den ersten Menschen gefragt haben, ob er das kaufen will.

Was es kostet: deine Zeit, und zwar dauerhaft. Dienstleistung skaliert nicht, solange du sie selbst erbringst. Sie ist der Einstieg und sie ist der Grund, warum irgendwann alles andere auf dieser Liste interessant wird.

Digitale Produkte: Einmal machen, oft verkaufen

Ein Workbook, ein Kurs, eine Vorlage, ein Audio. Du erstellst es einmal, legst es auf eine Plattform wie Tentary, Elopage oder Digistore24 oder in dein eigenes System und ab dann verkauft es sich, ohne dass du pro Verkauf Zeit aufwendest.

Das ist der Weg, den fast jeder Online-Kurs empfiehlt, und er funktioniert, nur anders, als er beworben wird. Das Produkt ist der leichte Teil. Ich habe auf meinem Rechner ein Dutzend fertige Produkte liegen, Workbooks, Masterclasses, Vorlagen, alle fertig und die meisten davon hat nie jemand gesehen. Der schwere Teil ist, dass Menschen davon erfahren, dass sie dir genug vertrauen, um zu zahlen, und dass sie den Weg vom ersten Beitrag bis zur Kaufseite zu Ende gehen.

Was es braucht: ein Produkt, das ein Problem ganz löst, nicht anreißt. Eine Liste, weil ein digitales Produkt ohne E-Mail-Liste ein Beitrag mit Kaufknopf ist. Und Geduld, weil der erste Verkauf lange dauert und der hundertste dann schnell geht.

Was es kostet: Plattformgebühren zwischen null und rund zehn Prozent plus Zahlungsgebühren, je nach Anbieter. Und Zeit, viel Zeit, vorne, bevor irgendetwas zurückkommt. Nüchtern betrachtet ist ein 27-Euro-Produkt bei zwei Prozent Kaufrate auf der Liste und tausend Kontakten ein Umsatz von 540 Euro. Das ist keine Entmutigung. Das ist die Rechnung, die du vorher machen solltest.

Affiliate: Du empfiehlst, andere liefern

Du setzt einen Link auf das Produkt eines anderen Anbieters, jemand kauft darüber, du bekommst eine Provision. Bei digitalen Produkten sind dreißig bis fünfzig Prozent üblich, bei physischen Waren über Amazon und ähnliche Programme liegst du im einstelligen Prozentbereich.

Was es braucht: Reichweite oder Vertrauen. Am besten beides, weil Reichweite ohne Vertrauen Klicks bringt und keine Käufe. Und Kennzeichnung, denn ein Affiliate-Link ist Werbung und muss in Deutschland als solche erkennbar sein, sonst ist es ein Abmahngrund.

Was es kostet: Kontrolle. Du bestimmst weder Produkt noch Preis noch das, was mit der Kundschaft danach passiert. Wenn der Anbieter das Programm einstellt, ist dein Einkommen weg. Affiliate ist ein guter Nebenerlös für Dinge, die du wirklich nutzt und ehrlich empfiehlst. Als Hauptgeschäft ist es ein Geschäft auf fremdem Boden.

Und noch eins, weil ich es selbst gemacht habe: Ein Affiliate-Link in der Bio eines Accounts mit vier Followern bringt niemandem etwas außer dem Anbieter, der jetzt kostenlos einen Link mehr im Netz hat.

Wiederverkaufsrechte: MRR und PLR

Hier wird es interessant, weil hier das meiste Geld versprochen und das meiste Geld verloren wird.

Bei PLR, Private Label Rights, kaufst du ein fertiges Produkt und darfst es bearbeiten, umbenennen und unter deinem Namen verkaufen. Bei MRR, Master Resell Rights, kaufst du ein Produkt samt dem Recht, es weiterzuverkaufen, und dein Käufer darf es ebenfalls weiterverkaufen.

Was PLR taugt: als Rohmaterial. Eine Vorlage, die du wirklich umschreibst, eine Struktur, die du mit deinem Inhalt füllst. Was PLR nicht taugt: als Produkt, auf das du nur dein Logo setzt, weil Hunderte dasselbe verkaufen, weil Google Kopien nicht anzeigt und weil deine Kundschaft es merkt, spätestens beim zweiten Kauf.

MRR ist eine andere Geschichte. Sieh dir das Produkt an, das dir verkauft wird. In sehr vielen Fällen ist es ein Kurs darüber, wie man online Geld verdient, und der Weg, den der Kurs empfiehlt, ist, diesen Kurs weiterzuverkaufen. Der einzige Markt dafür sind die nächsten Wiederverkäufer. Das ist rechtlich meistens erlaubt, wirtschaftlich ist es ein Kettenbrief mit Kaufknopf und die Menschen, die damit Geld verdienen, sind fast ausschließlich die, die früh drin waren und viel Reichweite hatten.

Ich habe MRR gekauft. Es hat Geld gebracht. Nicht mir.

Was es braucht, falls du es trotzdem machst: ein Gewerbe, weil du Produkte verkaufst. Impressum, Widerrufsbelehrung, saubere Rechnungen, in der Regel Umsatzsteuer oder die Kleinunternehmerregelung. Und die Lizenz, wirklich gelesen, weil in dem Dokument steht, was du darfst und was nicht.

Membership: Zugang gegen Monatsbeitrag

Menschen zahlen monatlich für Inhalte, Gemeinschaft oder Begleitung. Planbar für dich, günstig für die Mitglieder und mit zwei Haken, die dir vorher niemand sagt. Erstens musst du dauerhaft liefern, jeden Monat, ob du Lust hast oder nicht. Zweitens ist die Kündigungsrate hoch, weil ein Monatsbeitrag die leichteste Kündigung der Welt ist.

Eine Membership trägt, wenn sie ein wiederkehrendes Problem löst, das jeden Monat neu entsteht. Sie kippt, wenn sie nur Inhalte stapelt, die nach drei Monaten niemand mehr öffnet.

Was es braucht: eine Liste, ein klares Versprechen und ein System, das die Lieferung trägt, sonst bist du nach einem halben Jahr die Angestellte deiner eigenen Mitglieder.

Was alle fünf Wege gemeinsam haben

Jeder davon braucht eine Liste. Nicht Follower, eine Liste mit E-Mail-Adressen, die dir gehört. Instagram kann dich morgen sperren und dann sind fünftausend Follower fünftausend Menschen, die du nicht mehr erreichst. Ich weiß das, weil ich einen Account mit über fünftausend Followern habe und lange keinen Link darunter hatte, der irgendwohin geführt hat.

Jeder davon braucht Sichtbarkeit und Sichtbarkeit hängt an deiner Tagesform, solange kein System dahinter steht. Das ist der Punkt, an dem die meisten scheitern, nicht am Produkt.

Und jeder davon ist in Deutschland ein Geschäft, mit allem, was dazugehört. Gewerbe oder freiberufliche Anzeige, Steuernummer, Impressum, Rechnungen. Wer im Vorjahr unter 25.000 Euro Umsatz lag und im laufenden Jahr unter 100.000 bleibt, kann die Kleinunternehmerregelung nutzen und sich die Umsatzsteuer sparen. Die Grenzen gelten seit 2025, ältere Ratgeber nennen noch andere. Und wenn du die 100.000 im laufenden Jahr reißt, endet die Regelung sofort ab diesem Umsatz, nicht erst im nächsten Jahr.

Was ich dir raten würde

Fang mit dem an, was sofort Geld bringt, und das ist fast immer Dienstleistung. Bau daneben die Liste auf, vom ersten Tag an, mit etwas Nützlichem, das du kostenlos abgibst. Mach dein erstes digitales Produkt erst, wenn dich jemand danach gefragt hat. Nutz Affiliate für Dinge, die du wirklich benutzt, und rechne nicht damit. Und lass die Finger von Wiederverkaufsrechten, es sei denn, du willst Rohmaterial und weißt, dass du es umschreiben wirst.

Das ist langsamer als das, was dir die Videos versprechen. Es ist auch das Einzige, was ich bei mir und bei anderen habe funktionieren sehen.

Stand der Zahlen: September 2026. Provisions- und Gebührenbänder sind übliche Bandbreiten und keine Angabe einer einzelnen Plattform, prüf sie vor deiner Entscheidung bei den Anbietern selbst. Kleinunternehmergrenzen nach § 19 UStG. Das hier ist eine Einordnung und keine Rechts- oder Steuerberatung.

Über die Autorin

Anne Marx richtet KI-gestützte Marketing- und Vertriebsabläufe ein. Über zwanzig Jahre Marketing und Vertrieb, zuletzt Vertriebsleitung und Leitung Digitales Marketing im regulierten Pharmamarkt.

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Ab und zu eine Mail, in der ich zeige, was ich in meinem eigenen Betrieb baue, was Geld bringt und was ich wieder rausgeworfen habe. Kein Redaktionsplan, keine Serie.

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