Ich mache das selbst, bis heute, bei mehreren Anbietern und weil ich die Produkte mag. Genau deshalb kann ich die Rechnung dahinter aufschreiben, ohne jemandem etwas ausreden zu wollen. Und die Rechnung ist der Punkt. Nicht das Produkt, nicht die Leute, nicht die Stimmung auf den Veranstaltungen. Die Rechnung.

Und die geht in Network-Marketing nur auf zwei Arten auf. Du verkaufst selbst so viel, dass die kleine Spanne pro Stück in Summe etwas ergibt, oder du baust ein Team, in dem genug Leute gleichzeitig und über Monate liefern. Es gibt keinen dritten Weg, auf dem das nebenher passiert.

Ich nenne hier kein Unternehmen. Weder eines von denen, bei denen ich bin, noch irgendein anderes. Es geht nicht um einen Anbieter, es geht um die Mechanik und die ist bei den meisten gleich gebaut.

Wie das Modell aufgebaut ist

Network-Marketing, auch Multi-Level-Marketing oder Strukturvertrieb genannt, ist Direktvertrieb über mehrere Ebenen. Du wirst selbstständiger Vertriebspartner oder selbstständige Vertriebspartnerin, kaufst die Ware mit Rabatt ein und verkaufst sie zum Listenpreis weiter. Dazu kommt die zweite Einnahmequelle: Du wirbst weitere Partner und Partnerinnen an und an deren Umsatz verdienst du prozentual mit, oft über mehrere Ebenen nach unten.

Das ist in Deutschland ein zulässiges Vertriebsmodell. Es ist nicht dasselbe wie ein Schneeballsystem, auch wenn beides gern in einen Topf geworfen wird. Wo die Grenze verläuft, steht weiter unten und sie ist schärfer, als die meisten denken.

Wichtig für alles Weitere: Du bist ab dem ersten Tag selbstständig. Gewerbeanmeldung, Steuern, eigene Krankenversicherung, eigenes Risiko. Was du an Ware, Proben, Fahrten und Veranstaltungen ausgibst, zahlst du selbst. Es ist kein Job, es ist ein Geschäft und es wird oft als Job erzählt.

Weg eins: Masse im eigenen Verkauf

Der erste Weg ist der ehrlichste und er ist der härteste. Du verkaufst selbst, an echte Endkunden, jeden Monat neu.

Das Problem ist die Spanne. Übliche Größenordnung im Markt sind zwanzig bis vierzig Prozent Rabatt auf den Listenpreis und was dazwischen liegt, ist dein Rohertrag. Vor Fahrtkosten, vor Proben, vor Steuern.

Beispiel: Ein Produkt kostet 60 Euro im Verkauf, du kaufst es für 40 Euro ein. Rohertrag: 20 Euro.

Ziel 1.000 Euro Rohertrag im Monat: Du brauchst 50 verkaufte Einheiten. Jeden Monat.

Was das an Menschen bedeutet: Bei Produkten, die nachgekauft werden, sind das etwa 25 Stammkunden und Stammkundinnen, die zuverlässig zweimal im Monat bestellen. Bei Produkten ohne Nachkauf sind es 50 neue Kunden und Kundinnen. Im Monat. Immer wieder.

Und davon geht noch ab: Proben, Versand, Fahrten, Veranstaltungen und deine Steuern.

Jetzt der Teil, den die Präsentation weglässt. Deine ersten dreißig Kunden und Kundinnen kommen aus deinem Umfeld, das geht schnell und fühlt sich nach Rückenwind an. Danach ist der warme Markt leer und ab da machst du Kaltakquise für ein Produkt, dessen Preis du nicht bestimmst, mit einer Marke, die dir nicht gehört. Das ist Vertrieb im Vollzeitmaß und wer daran verdient, arbeitet entsprechend.

Weg zwei: ein Team, in dem alle liefern

Deshalb schiebt jedes dieser Modelle dich früher oder später in Richtung Team. Nicht aus Bosheit. Es ist der einzige Hebel, den das System dir anbietet.

Und hier sitzt der Satz, um den es mir geht: Du verdienst am Team nur dann, wenn die Leute im Team tatsächlich funktionieren. Nicht wenn sie eingeschrieben sind, nicht wenn sie motiviert sind. Wenn sie Monat für Monat Umsatz machen. Wer sich anmeldet, ein Startpaket kauft und danach nichts mehr tut, bringt dir ab dem zweiten Monat nichts.

Dazu kommt die Qualifikation. In fast allen Vergütungsplänen bekommst du die Provision auf das Team nur, wenn du selbst in diesem Monat einen bestimmten Eigenumsatz erreichst. Ein Monat mit krankem Kind, eine Woche Grippe, ein Urlaub und du rutschst aus der Stufe. Das Einkommen aus dem Team ist also nicht das Gegenteil von Anwesenheit, es hängt genauso an dir wie alles andere.

Und dann ist da die Fluktuation, der stillste Posten in der ganzen Rechnung. Die Leute steigen aus, oft nach wenigen Monaten. Wer ein Team von zwanzig aktiven Partnern und Partnerinnen halten will, wirbt nicht einmal zwanzig Leute an. Er wirbt dauerhaft nach. Genau das ist die Tretmühle: Dein Einkommen sinkt, sobald du aufhörst zu rekrutieren, und es sinkt mit Verzögerung, weshalb du es erst merkst, wenn es schon läuft.

Die Rechnung, die dir niemand vorlegt

Rechnen wir den Teamweg einmal durch, mit Werten, wie sie im Markt vorkommen. Das ist eine Beispielrechnung und kein Vergütungsplan eines bestimmten Anbieters.

Annahme: Du bekommst fünf Prozent auf den Umsatz deiner Ebene.

Ziel 1.000 Euro im Monat aus dem Team: Dein Team muss 20.000 Euro Umsatz machen. Monatlich.

Bei 60 Euro pro Bestellung sind das rund 333 Bestellungen im Monat, verteilt über das ganze Team.

Wenn eine aktive Person zehn Bestellungen im Monat schafft, brauchst du etwa 33 Partner und Partnerinnen, die alle aktiv sind. Nicht angemeldet. Aktiv.

Und bei hoher Fluktuation musst du diese 33 dauerhaft halten, also laufend neue anwerben, um die zu ersetzen, die gehen.

Dazu die eigene Qualifikation, die du jeden Monat selbst erfüllen musst. Und wenn du das jetzt nebeneinanderlegst, siehst du, was das eigentlich ist: eine Vertriebsleitung mit dreiunddreißig Leuten, die du weder einstellen noch anweisen kannst, für die du keine Verträge hast und deren Ausfall vollständig auf dein Einkommen durchschlägt. Ich habe zwanzig Jahre Vertrieb und Vertriebsleitung gemacht. Das ist die Aufgabe, die dort als Nebeneinkommen verkauft wird.

Zum Vergleich: Wie sich ein eigenes digitales Produktdagegen rechnet und wo dort die Arbeit liegt, steht in Passives Einkommen, was daran nie passiv ist.

Wo die rechtliche Grenze verläuft

Network-Marketing ist erlaubt. Progressive Kundenwerbung, umgangssprachlich Schneeballsystem, ist es nicht: Sie ist nach § 16 Absatz 2 UWG eine Straftat und kann mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe geahndet werden. Die Frage ist also nie, ob ein Modell mehrere Ebenen hat. Mehrere Ebenen sind zulässig.

Die Frage ist, woher das Geld kommt. Fließt der Umsatz überwiegend aus Verkäufen an echte Endkunden, die selbst keine Partner oder Partnerinnen sind, ist es Vertrieb. Entsteht der Umsatz überwiegend daraus, dass neue Leute einsteigen, Startpakete kaufen und Ware abnehmen, die nie einen Endkunden erreicht, dann verkauft das System sich selbst und genau dort wird es rechtlich kritisch.

Zwei Dinge, die du dabei auf deiner Seite hast. Erstens gilt für Verträge, die außerhalb von Geschäftsräumen oder im Fernabsatz geschlossen werden, in der Regel ein Widerrufsrecht von vierzehn Tagen. Zweitens muss jede Einkommensangabe in der Werbung belegbar sein. Wer dir ein Einkommen in Aussicht stellt, muss auch sagen können, wie viele es tatsächlich erreichen.

Das ist meine Einordnung als Vertrieblerin und keine Rechtsberatung. Wenn du bei einem konkreten Angebot unsicher bist, lass es vor der Unterschrift von einer Anwältin oder einer Verbraucherzentrale ansehen. Das kostet wenig und spart im Zweifel viel.

Die Fragen, die du vor der Unterschrift stellst

Wenn dich jemand anspricht, stell diese sieben Fragen. Nicht als Misstrauen. Als Prüfung, und achte darauf, wie gern sie beantwortet werden.

  1. Wie viel Prozent des Umsatzes geht an Endkunden, die selbst keine Partner oder Partnerinnen sind? Wenn darauf keine Zahl kommt, ist das die Antwort.
  2. Was kostet der Einstieg und wofür genau? Ein Startpaket mit Ware zum Einkaufspreis ist etwas anderes als eine Gebühr für die Teilnahme.
  3. Kann ich unverkaufte Ware zurückgeben, zu welchem Preis und bis wann?
  4. Bekomme ich den Vergütungsplan schriftlich, vollständig und vor der Unterschrift?
  5. Welchen Eigenumsatz muss ich monatlich machen, damit ich die Provision auf mein Team überhaupt bekomme?
  6. Wie viele Partner und Partnerinnen verdienen mehr als hundert Euro im Monat und wie viele mehr als tausend? Seriöse Anbieter veröffentlichen so etwas.
  7. Wem gehört der Kundenkontakt, wenn ich aufhöre? In den meisten Fällen nicht dir und das ist der Punkt, an dem sich entscheidet, ob du ein Geschäft baust oder eine Position darin besetzt.

Wann es passt und wann nicht

Ich sage nicht, dass Network-Marketing für niemanden funktioniert. Es funktioniert für Leute, die Vertrieb wirklich mögen, die gern vor Menschen stehen, die ein Produkt verkaufen, hinter dem sie ohne Anlauf stehen, und die bereit sind, das als das zu behandeln, was es ist: Vollzeitvertrieb mit langem Anlauf.

Es passt nicht, wenn du es als ruhiges Nebeneinkommen neben Job und Familie einplanst. Es passt nicht, wenn dein Umfeld dein Geschäftsmodell sein soll. Und es passt nicht, wenn du etwas aufbauen willst, das dir am Ende gehört, denn Marke, Preis, Produkt und Kundendaten liegen bei jemand anderem und du kannst nichts davon mitnehmen.

Mein eigener Schluss nach dem Versuch war genau der. Ich habe die gleiche Energie danach in etwas gesteckt, wo mir hinterher der Kundenkontakt gehört, und das ist der einzige Unterschied, der langfristig zählt. Wenn du wissen willst, welche Wege es sonst gibt und was davon wirklich Geld bringt, fang hier an: Online Geld verdienen, welche Möglichkeiten es wirklich gibt.

Stand: September 2026. Rabatt-, Provisions- und Umsatzwerte in diesem Text sind marktübliche Beispielwerte zur Veranschaulichung und stammen von keinem bestimmten Anbieter. Zur rechtlichen Einordnung: § 16 Absatz 2 UWG (progressive Kundenwerbung), §§ 312g und 355 BGB (Widerrufsrecht). Dieser Text ist eine vertriebliche Einordnung und ersetzt keine Rechtsberatung.

Über die Autorin

Anne Marx richtet KI-gestützte Marketing- und Vertriebsabläufe ein. Über zwanzig Jahre Marketing und Vertrieb, zuletzt Vertriebsleitung und Leitung Digitales Marketing im regulierten Pharmamarkt.

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Ab und zu eine Mail, in der ich zeige, was ich in meinem eigenen Betrieb baue, was Geld bringt und was ich wieder rausgeworfen habe. Kein Redaktionsplan, keine Serie.

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