Im ersten Text zu diesem Thema habe ich durchgerechnet, warum Network-Marketing als Haupteinkommen nur über Masse oder über ein dauerhaft lieferndes Team funktioniert. Das steht weiter unten verlinkt und daran ändert sich nichts.

Was in dieser Rechnung untergeht: Nebenberuflich sieht die Sache anders aus. Ich mache es selbst bis heute, bei mehreren Anbietern, weil ich die Produkte mag und sie ohnehin benutze. Deshalb kann ich auch sagen, was daran wirklich gut ist. Es gibt kaum ein Modell, bei dem du mit so wenig eigenem Geld anfangen kannst.

Dieser Text ist der ehrliche Teil dafür. Der Haken kommt im dritten, wenn du daraus einen Hauptberuf machen willst. Genau das habe ich nie versucht und dazu stehe ich.

Was du dir sparst, wenn du nicht bei null anfängst

Wer ein eigenes Geschäft aufbaut, baut sechs Dinge gleichzeitig. Produkt, Marke, Vertriebsweg, Abwicklung, Rechtstexte und die eigene Sichtbarkeit. Jedes davon kostet Monate und die meisten scheitern nicht am Können, sondern daran, dass sechs Baustellen gleichzeitig offen sind.

Im Network-Marketing sind fünf davon fertig, bevor du anfängst:

  1. Das Produkt existiert. Entwickelt, getestet, zugelassen. Du musst nichts erfinden und nichts produzieren lassen.
  2. Die Marke steht. Verpackung, Auftritt, Fotos, Texte. Alles da, alles nutzbar.
  3. Die Abwicklung läuft. Bestellung, Versand, Rechnung, Retoure, Zahlung. Nichts davon musst du bauen.
  4. Die Rechtstexte sind da. Widerruf, Datenschutz, Produktangaben. Der Teil, an dem viele Gründerinnen hängenbleiben.
  5. Die Einarbeitung gibt es. Schulungen, Materialien, jemand, der schon einmal erklärt hat, wie es geht.

Übrig bleibt eine einzige Aufgabe: Menschen finden, die das Produkt wollen. Das ist viel Arbeit, aber es ist eine Arbeit. Wer schon einmal versucht hat, ein eigenes Produkt zu bauen und gleichzeitig zu verkaufen, weiß, was dieser Unterschied wert ist.

Und die Investition ist klein. Ein Startpaket, ein bisschen Ware, Proben. Kein Studio, keine Website, keine Entwicklung, kein Warenlager auf eigenes Risiko. Was du wirklich einsetzt, ist Zeit.

Der ehrlichste Einstieg ist der eigene Gebrauch

Die Menschen, bei denen es nebenberuflich funktioniert, haben fast alle denselben Anfang. Sie haben das Produkt gekauft, weil sie es selbst wollten. Sie haben es benutzt, es hat ihnen etwas gebracht und irgendwann haben sie im Bekanntenkreis darüber geredet, ohne etwas verkaufen zu wollen.

Das ist der stärkste Startpunkt, den es gibt, und zwar aus einem sachlichen Grund. Du musst nicht so tun. Du kennst das Produkt aus dem Alltag, du kennst die Fragen, weil du sie selbst hattest, und du kannst sagen, wofür es bei dir nicht funktioniert hat. Genau dieser letzte Satz verkauft mehr als jede Broschüre.

Aus dieser Rolle wird eine Empfehlerin. Keine Verkäuferin, die überzeugen muss. Jemand, die ein Produkt benutzt und Fragen dazu beantwortet. Das ist ein anderer Beruf, es fühlt sich anders an und es ist der einzige Weg, der ohne Selbstverleugnung auskommt.

Der Umkehrschluss ist genauso wichtig. Wenn du ein Produkt anbietest, das du selbst nicht benutzen würdest, wird es anstrengend und du wirst es merken, bevor deine Kundschaft es merkt.

Warum die ersten Kunden aus deinem Umfeld kommen

Das Umfeld hat einen schlechten Ruf in diesem Zusammenhang, meistens zu Recht, weil daraus oft Druck wird. Es gibt aber einen nüchternen Grund, warum es funktioniert.

Vertrauen ist im Verkauf der teuerste Posten. Bei fremden Menschen musst du es über Monate aufbauen, mit Inhalten, mit Sichtbarkeit, mit Wiederholung. In deinem Umfeld ist es schon da. Die Leute wissen, ob du übertreibst, und genau deshalb glauben sie dir, wenn du sagst, dass etwas gut ist.

Der Unterschied zwischen dem, was funktioniert, und dem, was Beziehungen kostet, ist einfach zu beschreiben:

TrägtTrägt nicht
Du benutzt etwas und jemand fragt dich danach.Du schreibst zwanzig Leute an, die nicht gefragt haben.
Du sagst dazu, was es kostet und was es nicht kann.Du erzählst von einer Chance, ohne das Produkt zu nennen.
Ein Nein bleibt ein Nein und die Beziehung bleibt.Du fragst dieselbe Person zum dritten Mal.
Du machst deine Rolle transparent, auch die Provision.Die Empfehlung sieht aus wie Freundschaft und ist Vertrieb.

Die linke Spalte ist der Grund, warum es nebenberuflich geht. Die rechte ist der Grund, warum das Modell einen so schlechten Ruf hat.

Was 200 bis 500 Euro im Monat wirklich bedeuten

Jetzt die Zahlen, weil ohne Zahlen jede Einschätzung wertlos ist. Ich rechne mit denselben Werten wie im ersten Artikel, damit sich die beiden Texte nicht widersprechen.

Ausgangswerte: Ein Produkt kostet 60 Euro im Verkauf, du kaufst es für 40 Euro ein. Rohertrag: 20 Euro pro Stück.

200 Euro im Monat sind zehn verkaufte Einheiten. Bei Produkten, die nachgekauft werden, sind das etwa fünf feste Kundinnen und Kunden.

500 Euro im Monat sind fünfundzwanzig Einheiten, also ungefähr zwölf bis fünfzehn Menschen, die regelmäßig bestellen.

Davon gehen ab: Proben, Versand, Fahrten, Veranstaltungen und deine Steuern. Rechne mit zwanzig bis dreißig Prozent.

Meine Faustregel dafür ist einfach: Wer zehn Kundinnen und Kunden hat, die dauernd bestellen, verdient in dieser Größenordnung gut. Zehn bis fünfzehn Menschen, die dir vertrauen und nachbestellen, sind eine Zahl, die du in deinem Umfeld tatsächlich erreichen kannst, ohne dein Leben umzubauen. Genau deshalb funktioniert dieses Modell hier.

Und 200 bis 500 Euro netto im Monat sind kein kleines Geld. Das sind die Betreuungskosten, die Urlaubskasse, der Puffer, der einen Monat mit einer kaputten Waschmaschine erträglich macht. Ich sage das ausdrücklich, weil dieser Betrag in Verkaufspräsentationen immer als Zwischenschritt zu etwas Größerem dargestellt wird. Er ist kein Zwischenschritt. Er ist das Ergebnis.

Wann das passt und wann du die Finger davon lässt

Vier Bedingungen und sie müssen alle stimmen. Nicht drei.

  1. Du benutzt das Produkt selbst und würdest es auch ohne Provision kaufen.
  2. Du planst mit 200 bis 500 Euro und nicht mit dem Ausstieg aus deinem Job.
  3. Du hast ein Umfeld, das du nicht verbrauchen musst, weil du niemanden überredest.
  4. Du behandelst es als Gewerbe. Anmeldung, Steuern, Belege. Auch bei 200 Euro im Monat.

Lass die Finger davon, wenn das Geld fest eingeplant ist und im nächsten Monat da sein muss. Und lass die Finger davon, wenn dir gesagt wird, dass die eigentliche Musik im Anwerben spielt. Wo dabei die rechtliche Grenze verläuft, steht ausführlich in Network-Marketing, wann du damit wirklich Geld verdienst.

Und wenn du gerade denkst, dass 500 Euro schön sind, aber 3.000 schöner wären: Genau an diesem Gedanken scheitern die meisten. Warum das so ist, steht in Vom Nebenverdienst zum Hauptberuf.

Stand: September 2026. Rabatt-, Spannen- und Umsatzwerte sind marktübliche Beispielwerte und stammen von keinem bestimmten Anbieter. Auch ein kleiner Nebenverdienst ist eine gewerbliche Tätigkeit mit Anmelde- und Steuerpflichten. Dieser Text ist eine vertriebliche Einordnung und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Über die Autorin

Anne Marx richtet KI-gestützte Marketing- und Vertriebsabläufe ein. Über zwanzig Jahre Marketing und Vertrieb, zuletzt Vertriebsleitung und Leitung Digitales Marketing im regulierten Pharmamarkt.

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Was bei mir gerade wirklich läuft.

Ab und zu eine Mail, in der ich zeige, was ich in meinem eigenen Betrieb baue, was Geld bringt und was ich wieder rausgeworfen habe. Kein Redaktionsplan, keine Serie.

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